Nein – nicht bei mir – ich habe KEINE Ex und mit meinem Ex habe ich keinen Stress, weil keinen Kontakt.
Über diesen Artikel bin ich gestern in der SZ gestolpert – es geht mal wieder um das Thema Schule und zwar um unangekündigte Exen – bei uns hieß das damals noch „Test“ oder „Arbeit“.
In diesem Fall gehts um das Schulzentrum in Neuperlach (München) – es wird sich von den Schülern ein Lernen ohne Angst, ein besseres Schulklima und weniger Druck gewünscht.
Am Mittwoch wird am Wittelsbacher Platz demonstriert: Gegen Exen und Ausfragen – für eine andere Art von Schule.

Um zu zeigen, daß Schule auch anders funktionieren kann, wollte die Stadt München eine Modellschule aufbauen: eine Schule für alle Kinder, ohne Noten, mit einem Blick auf ihre Stärken und nicht auf ihre Schwächen. Dies wurde jedoch vom bayerischen Kultusministerium im vergangenen Jahr abgelehnt.
Zu einer Pressekonferenz sagte eine 17 jährige Schülerin, daß es in den Schulen doch darum gehen sollte, das Schüler zeigen dürfen, was sie können und nicht beim „Ich erwische dich genau dann, wenn du etwas nicht kannst“.
Alleine zu dem Punkt fällt mir ein, daß man bei jeder Ex zeigen kann, was man kann – denn wenn man es kann, wird das mit einer guten Note bewertet. Und daß ein Lehrer Spaß daran hat, seinen Schülern mit „Ich erwische dich beim Nichtkönnen“ ist purer Unsinn. Das schlägt sich auf den Notenspiegel nieder und fällt im Schlimmsten Fall auf den Lehrer selbst zurück. Also diesen Punkt hätte ICH schon mal abgeschmettert.
Ich fange jetzt nicht wieder an mit „Wir haben damals auch…“ – doch… damit fange ich an: Bei uns gabs auch unangekündigte Tests mit dem positiven Erfolg, daß man gar nicht lange Angst vor dem Test haben konnte, weil der ja sehr spontan kam. Also nix mit stundenlangem Aufregen vorher. Da hieß es „Hefte raus“ und dann gings los.
Wenn ich mich richtig erinnere, waren diese Tests jedoch nicht so ausschlaggebend, wie Tests, die vorher angekündigt waren. Und auch da hatten wir manchmal Bammel, wie der Test ausging, weil man a) gelernt hatte, aber Angst hatte, das Gelernte nicht komplett abliefern zu können, b) man NICHT gelernt hatte (da sag ich: Selbst schuld) und c) nach dem Test die heißen Diskussionen anfingen „Was hattest du bei Aufgabe 2 als Ergebnis“ und man eben nicht auf dieses Ergebnis kam. Aber oft wurde – zumindest bei uns – dann der Lösungsweg als richtig anerkannt, auch wenn das Ergebnis dann nicht stimmte. Aber es gab eine bestimmte Punktzahl – sehr sozial und fair.
Zu dem Thema Schule ohne Noten: Wie wollen wir denn heute Leistung noch messen können? In dem wir eine Matheaufgabe „tanzen“ und ein Diktat „singen“?
Wie wollen denn genau diese Schüler später mal in ihrer Ausbildung und ihrem Job mit auch mal entstehendem Leistungsdruck klarkommen? Und der kommt ab und an einmal.
Man bekommt heute in fast jedem Job Ziele auferlegt, die man erreichen sollte/muß. Da kann ich mir die geforderten Zahlen auch nicht herbeitanzen – da muß ich dafür arbeiten. Auch mal unter Druck.
Meine Schulzeit ist ja nun doch schon länger her aber Angst hatte ich nie – vielleicht mal, wenn ich wußte, daß ein Test für mich nicht gut ausfällt. Und das zeigte mir dann eben, daß da noch etwas zu tun ist.
Chemie war der absolute Albtraum für mich – gerade da habe ich vieles, was ich nicht verstanden hatte, einfach auswendig gelernt – auf Kommando abgeliefert und dann sofort wieder vergessen. Und vieles war total unsinnig (in meinen Augen) aber es stand eben auf dem Lehrplan. Und da mußte wir durch.
Natürlich bin ich sicher, daß es heute in der Schule schon auch Stress gibt – den Schülern sehr viel abverlangt wird. Aber es zeigt sich auch immer wieder, daß dieser Stress auch oft von zu Hause gefördert wird – der Anspruch der Eltern an ihre Kinder. Man sollte das auch einmal von dieser Seite aus betrachten.
Heutzutage ist selbst ein Realschulabschluß (den habe ich) zumindest in den Augen manche Eltern nichts mehr wert. Die Kinder werden gedrillt,“zumindst“ ein Zwei-er Abitur nach Hause zu bringen – besser wäre natürlich die 1 vorne dran und – auf alle Fälle – danach ein Studium zu beginnen.
Tja – und DA sind wir beim Thema Notendruck, Stress in der Schule, Leistungsdruck. Von dieser Seite her wird das nämlich fast nie gesehen.
Des langen Geschreibsels kurzer Sinn: Natürlich ist der Druck in den weiterführenden Schulen heute ein anderer – aber es geht mit Sicherheit nicht darum, Schülern aus reiner Gemeinheit und Schikane ihr „Unwissen“ vor die Nase zu halten. Jeder kann mit seinem „Wissen“ ebenfalls überzeugen und das Unwissen kann durch gezieltes Lernen eben zu Wissen werden. Das ist ja der Sinn einer solchen Ex – nicht der, schlechte Noten zu verteilen.