Gestern saß ich ganz sportlich vor dem Fernseher (nein, ich hatte keine Tüte Chips in den Händen) und guckte mir begeistert die Damenabfahrt bei den olympischen Winterspielen an – wobei ich gefühlt nebenbei auch an einer Olympiade teilgenommen habe: 5 Wochen abendliches Stricken und er ist fertig – mein Norweger-Pulli – perfekt unperfekt aber dafür ganz alleine und von mir selbst gestrickt. Ich hätte nicht gedacht, daß ich das schaffe… olympisch, oder?

Nun gut, ich gucke Abfahrt der Damen und war von Emma Aicher ganz begeistert – wobei mir die herumposaunte Erwartungshaltung von so manch selbst ernannten Experten schon ziemlich auf den Geist ging. „Mindestens 3 Goldmedallien sind drin – Wenn Emma Aicher ihr Ding macht, schafft sie das“…. Laßt das Mädel fahren und baut nicht schon gleich wieder so einen Druck auf.
Emma – super Fahrt und geniale Zeit – zu dieser Zeit auf Platz 2 (den sie auch nicht mehr hergegeben hat) und dann steht Lindsay Vonn im Starthaus und fährt los….. knappe 14 Sekunden und dann haut es sie dermaßen von der Piste….. Furchtbar anzuschauen.
Die Reaktion vom Publikum – entsetztes Hände vor die Augen halten und dann – Totenstille – lang, sehr, sehr lang…… Empathie hoch zehn!
Die Empathie der Regie und der Kameramänner ging eher gegen NULL – den Sturz konnte man sich in Dauerschleife anschauen und die Schmerzensschreie von Lindsey Vonn waren entsetzlich…- wenn ihr da schon drauf halten müsst, schaltet doch bitte den Ton weg….. Ich hab dann bei uns den Ton wegschalten müssen und hab erst wieder hingeguckt, als das Rennen weiterlief.
Was ich aber heute in den sozialen Medien lesen mußte, hat mir fast die Schuhe ausgezogen und ich bin mittlerweile ganz nah dran, mich gerade bei Facebook abzumelden. Was dort an Meldungen zu dem Unfall kam, war/ist unterirdisch.
Von „selbst schuld“ – über „wie karierregeil ist die denn“, „kein Mitleid“, „wer verletzt am Start steht, hat es nicht anders verdient“, „hoffentlich muß sie den Heli aus eigener Tasche zahlen“, „was tut man nicht alles für Aufmerksamkeit“…
Und solche Kommentare wirken bei mir leider immer wie ein Magnet – eigentlich willst du nicht hinschauen, muß es aber trotzdem tun.
Man kann von Lindsey Vonn denken, was man will: Für mich ist sie eine herausragende Sportlerin die allen Respekt für ihre Leistungen verdient. Ob man nun mit einem nicht operierten Kreuzband-Riß an der Olympiade teilnehmen muß, ist einzig und alleine ihre Entscheidung. Das haben schon andere Sportler gemacht. Und letztendlich ist sie mit der Hand oder dem Arm an einem Tor hängen geblieben und der Unfall rührte nicht von ihrem kaputten Kreuzband her.
Ich weiß nicht, was die Menschen dazu bewegt, sich so in den sozialen Medien auszudrücken, ist es die gewissen Anonymität, die ihnen sämtlichen Anstand nimmt oder ist es wirklich die fehlende Empathie, Neid? Was mich wiederum nicht wundert, ganz, ganz viele Kommentare kommen von Profilen, die sich „bildungsfern“ zeigen – um es mal nett auszudrücken. Was man gut an der Ausdrucksweise erkennen kann… zum Fremdschämen.
Wie haltet ihr das mit den sozialen Medien – seid ihr da unterwegs oder eher weniger? Was bevorzugt ihr? Facebook – Instagram – LinkedIN… ???


















































