11.September 2001- meine Geschichte aus New York

Ich glaube, fast jeder von uns weiss noch ganz genau, was er getan hat oder wo er war, als am Nachmittag des 11. September 2001 (deutscher Zeit) die Nachricht über die Anschläge in den USA (New York, das Pentagon und Shanksville) verbreitet wurde..

Ich weiß auch genau, wo ich war – mit meinem frisch angetrauten Männe IN NEW YORK – ziemlich genau ca 2 km von einem der Anschlagsplätze (World Trade Center) entfernt.

Wir waren zwei Tage vorher in New York angekommen – erster Zwischenstopp unserer Hochzeitsreise – wir hatten am Freitag noch eine tolle Hochzeitsfeier, Samstag dann Verabschiedung von den Gästen und Family, die mit uns in unserer Feierlocation übernachtet hatten und Sonntag früh gings zum Flughafen in die Flitterwochen.

09. September:
Sonntag Ankunft in New York – unser schnuckeliges, kleines Hotel mit 12 Zimmern bezogen und dann erst mal etwas durch die City marschiert – Manhattan abgelaufen und erster Blick von oben auf New York vom Empire State Building. Abends sind wir recht früh ins Bett – waren ja durch die Zeitverschiebung schon länger auf den Beinen.

10, September:
Am Montag dann Wall Street, dort etwas rumgelaufen und dann World Trade Center (wir hatten uns ein Ticket für tags und dann noch mal für einen Besuch bei Nacht bzw. Dunkelheit gekauft).Wahnsinn, welch ein Ausblick, irre schön. Abends dann schön Essen – ich weiß gar nicht mehr, wo wir waren.

11.September:
Es war morgens um kurz nach halb neun in der Frühe – ich kam gerade aus dem Bad unseres Hotelzimmers, als ich ein relativ lautes Brummen am Fenster hörte – zunächst dachte ich, ist vielleicht die Müllabfuhr oder ähnliches. Dann dachte ich, es könnte auch ein Flugzeug gewesen sein- Männe sagte aber gleich, die dürfen nicht so tief über die Stadt fliegen.
Wir kommen zum Frühstück, da fragt der Portier, ob wir denn schon wüßten, was passiert sei – wir hatten keine Ahnung, was er meint und er fragte, ob wir nicht ferngesehen hätten. Beim gemeinen Amerikaner läuft ja oft der Fernseher den ganzen Tag. Wir hatten keine Ahnung und er erzählte uns, dass ein Flugzeug in einen Turm des WTC geflogen sei – wir haben natürlich gar nix geglaubt und er führte uns in ein Hinterzimmer, wo ein Fernseher lief. Kaum waren wir in dem Zimmer, sahen wir, wie das zweite Flugzeug in den zweiten Tower fliegt – das war kurz nach 9 Uhr Ortszeit. Wir haben immer noch geglaubt, die veräppeln uns und zeigen irgend einen Horrorfilm. Bis wir in die entsetzen Augen der anderen sahen ….. wir konnten es nicht glauben. Wir fragten uns, was wir denn jetzt machen sollen/können. Frühstück war uns vergangen und im Hotel bleiben wollten wir irgendwie auch nicht. Unser netter Portier hat uns total verstanden und meinte nur, wir sollen halt hier ein wenig auf und ab gehen, sollten wir Leute rennen sehen, sollen wir bitte hinterher laufen, man weiß ja nicht, was noch alles passiert.

Wir versuchten dann erst mal, unsere Eltern anzurufen – da ging mobilfunktechnisch gar nix – im Hotel mit der landline auch erst mal nix – ich war etwas unruhig, weil ich meinen Eltern unbedingt bescheid geben wollte, dass uns nix passiert ist. Wir wollten uns gar nicht vorstellen, was die sich zu Hause gerade für Gedanken machen. Es ging nix – nach über einer Stunde konnten wir zumindest mal ein Fax an meine Eltern schicken. Telefone tot!!!

Wir saßen erst noch am Zimmer und sahen dann auch die Türme einstürzen und ich war so fertig, ich heulte hysterisch los. Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Und dann dachte ich: Stell dir vor, das wäre gestern passiert und wir wären da oben gewesen…. UNVORSTELLBAR.

Irgendwann gingen wir einfach raus auf die Straße – beim Öffnen der Hoteltür haben wir den Staub schon überall liegen und selbst auch noch in der Luft hängen sehen.
Zunächst kam mir eine Dame entgegen, die einen Blindenhund an der Leine hatte – Sie fragte mich, ob ich wisse, wo wir gerade sind- Ihr Blindenhund hatte vor lauter Tatü Tata (und die Martinshörner heulten wie wild in der City, Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen schossen durch die Strassen) völlig die Orientierung verloren. Ich nannte ihr den Namen der Strasse und daß da vorne eine Bäckerei und Wäscherei sei, dann wusste sie, wohin sie laufen musste.

Ein paar Minuten später folgendes: Männe lief vor mir und ich trödelte hinterher – auf einmal schoß ein Mann aus einem Haus, mit so einem kleinen Kappi auf dem Kopp – warf sich neben mir auf die Straße, die Hände zum Himmel gefaltet und schrie: „Thank you Allah, you did it“! WHAT???? Ich nix wie weg, Männe hinter mir hergezogen und dachte nur: „In welchem falschen Film sind wir bitte hier gelandet“?
Wir liefen umher und irgendwann kamen wir Richtung World Trade 7 – nebenan war ein Hilton Hotel – das hatten wir uns ursprünglich rausgesucht, bevor ein Kollege von Männe meinte, er kenne ein recht nettes kleines und persönliches Hotel in der Nähe, das wäre doch vielleicht netter als so ein riesen Kasten. Das World Trade 7 war abgesperrt und die Polizei bat uns, diesen Bereich zu verlassen (this building will come down very soon). Von hinten konnte man gar nicht sehen, keine Beschädigung oder ähnliches. Aber im Nachhinein kam raus, daß Trümmer vom Einsturz des Nordturmes das Gebäude wohl so zerstört hatten, daß es nicht mehr lange standhalten würde.

Wir marschierten weiter – ständig gab es fake news – Evakuierung der Central Station, angeblich wurden dort Bomben gefunden – ganze Panzerkolonnen fuhren mittlerweile durch die City, der Flugraum wurde abgeschirmt, wenn man einen Flieger am Himmel sah, duckte man sich und dachte, wo fliegt der jetzt bitte noch rein? Kurz – es war wie im Krieg (so stelle ich mir das zumindest vor). Und irgendwie war Krieg- irgendwie!!
Irgendwann holten wir uns in einem Supermarkt ein labriges Sandwich und setzten uns in einen Park – wir hatten keine Ahnung, wohin wir gehen sollten und was wir machen können….

Teil zwei morgen …..

Veröffentlicht von Kerstins Reisefotos und mehr...

Reisefreudig, Fotografie-süchtig, fast immer gut gelaunt, Optimistin... Fotografie ist mein Leben - meine Leidenschaft - mein Yoga

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