Die Evolution des Adventskalenders: Von Tradition zu Luxus

Es fing alles mal ganz harmlos an: Die Aufregung drosseln, bis das Christkind kommt: Ende des 19. Jahrhunderts wurde an jedem Dezembertag ein neues weihnachtliches Bildchen an die Wand gehängt oder ein Kreidestrich von der Tafel gewischt.

Dann gab es die Adventskalender, bei denen man ein Türchen öffnen konnte und ein weihnachtliches Bild zum Vorschein kam – gibt es heute noch als Postkarten zu verschicken und das mache ich sehr gerne.

Der erste gedruckte Adventskalender veröffentlichte im Jahr 1902 die evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg. Sie entschieden sich für eine Weihnachtsuhr mit den Zahlen 13 bis 24, ab 1922 bekamen diese Uhren 24 Felder. Er kostete damals 50 Pfennig.

Ein Jahr später folgte der Münchner Verleger Gerhard Lang. Der Kalender „Im Lande des Christkinds“ enthielt einen Bogen mit 24 Bildern zum Ausschneiden und einen mit 24 Feldern für die ausgeschnittenen Teile. An jedem Tag im Advent durften die Kinder ein Bild ausschneiden und diesen in das vorgesehene Fenster einkleben. Am Heiligabend gab es ein Bild von dem weiß gekleideten Christkind.

Es folgten die heute noch traditionellen Adventskalender mit den Schokolade-Figuren – das war spannend. Am 6. Dezember war immer ein kleiner Schokonikolaus drin. Über die Qualität der Schokolade sprechen wir nicht – uns hat es einfach geschmeckt.

Aber was heute unter anderem als Adventskalender angeboten wird, finde ich echt unmöglich und völlig aus dem Ruder gelaufen. Was ich noch wirklich nett finde, sind Tee-Adventskalender – jeden Tag ein Teebeutelchen.

Die neuesten Hypes: Gefüllt wird der Adventskalender nun mit Strickgarn, Gewürzen, Gin, Wein, Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik. Rituals zum Beispiel bietet seine Adventskalender um die 100 Euro an.

Völlig überzogen der Adventskalender von Estée Lauder „Holiday Countdown“ für nette 275 Euro – die Marke Dr. Barbara Sturm möchte für „das ultimative, luxuriöse und unschlagbares Geschenk“ unschlagbare 495 Euro haben.

In diesem Jahr steigern wir uns nochmals: Die Hightechmarke Augustinus Bader – aber die versagen schon bei der Herstellung ihres Adventskalenders – es gibt nur 12 Türchen. Und ein Adventskalender hat nun mal schon von Anbeginn 24 Türchen. Aber warum nur 12 Türchen? Ich sage es euch: Der Preis lässt wohl keine 24 Türchen zu, den beim Preis von 525 Euro gibt es tatsächlich nur 12 Mal Rich Cream, Augenpatches, Gesichtsöl und Retinol – bei „La Mer“ kostet der 12-türige Adventskalender sogar 655 Euro.

Ja sagt mal, haben wir jetzt den Bezug zur Relation total verloren? Was schenke ich denn meiner/meinem Liebsten dann zu Weihnachten? Wahrscheinlich nix mehr.

Wobei ich die Idee, 24 nette Kleinigkeiten jeden Tag zu verschenken, anstatt geballte Masse am 24. Dezember schon sehr reizvoll finde – natürlich ist dann nach dem 24. Türchen Schluss und der Heilige Abend konzentriert sich darauf, nett zusammen zu sitzen und nicht hektisch Geschenke auszupacken und darauf zu gucken, ob sich das Gegenüber auch wirklich freut.

Unser Adventskalender in diesem Jahr ist auch außergewöhnlich aber laut Männe wirklich sinnvoll: Der von/mit Lübecker Marzipan – der hat doch wirklich 31 Türchen. Laut Männe sind die Macher dieses Adventskalenders wirklich schlau, denn wer hört denn kurz vor Ende des Monats auf zu zählen und läßt die letzten 7 Tage des Monats „ungefüllt“ verstreichen?

Ich habe mich mal auf die „Wurzeln des Adventskalender“ zurückbegeben und meinen beiden „Besties“ einen Adventskalender selbst gemacht – 24 Türchen und hinter jedem Türchen verbirgt sich ein Foto von uns – mal alleine und mal alle drei zusammen. Das war echt Arbeit – Fotos raussuchen, klein ausdrucken, ausschneiden, Deckblatt vom Kalender mit dem Plotter erstellen lassen und und und… Über 3 Stunden hab ich rumgebastelt. Aber nachdem die so gelungen sind, habe ich mir natürlich auch einen basteln müssen und ich freue mich heute schon, wenn ich die Kalender den beiden am 30.11. übergeben werde.

Extra für Euch hab ich schon mal ein Türchen geöffnet, damit ihr reinschauen könnt – Foto ausgschnitten und eingeklebt, Deckblatt mit „Türchen“ versehen, nummeriert und schon bastelst du Stunden daran rum 🙂 Und ja, das mache ich, bevor ich mich über das allabendliche Fernsehprogramm aufregen muss – bzw. ich reg mich nicht mehr auf, ich mache etwas (für mich) Sinnvolles…

Veröffentlicht von Kerstins Reisefotos und mehr...

Reisefreudig, Fotografie-süchtig, fast immer gut gelaunt, Optimistin... Fotografie ist mein Leben - meine Leidenschaft - mein Yoga

4 Kommentare zu „Die Evolution des Adventskalenders: Von Tradition zu Luxus

  1. Ach das Sortiment der Adventskalender…. Ich kann mich erinnern, dass wir nur die mit den Bildchen hatten. Mit viel Glitzer drauf – die waren herrlich. Die mit der Schokolade kamen erst, als wir schon aus dem Kindesalter raus gewesen sind.
    Ich weiss dass es übertrieben ist, was da so alles angeboten wird, aber wenn ich in der Vorweihnachtszeit in München gewesen bin, dann gehörte ein Bummel durch die Adventskalendersbteilung zu meinem Programm!
    Deine selbst gebastelten werden sicher das Highlight der Adventszeit sein – und noch lange danach!
    VG Christa

    Like

    1. Lieben Dank – jetzt hab ich Männe noch einen gebastelt mit Fotos von unseren beiden Hunden, die im Hundehimmel sind… ist manches Tränchen geflossen.
      Es gibt sie auch wieder hier – die nostalgischen Adventskalender und die sind einfach toll. Lg Kerstin

      Gefällt 1 Person

  2. Dem Trubel zu Ostern, Muttertag, Weihnachten, Silvester usw. haben wir schon lange aus dem Kalender gestrichen. Die ursprüngliche Idee, die hinter diesen Feiertagen steckt, ist schon lange zu einem alljährlichen Kommerz und Konsum verkommen. Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn bald wieder der 1.1. ist 🙂

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Entdecke mehr von koffergefluester.com travels-and-more.com

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen