Du machst doch bei mir bestimmt einen Sonderpreis?

Wie oft habe ich diese Frage gehört? Unzählige Male und ich werde mittlerweile immer grantiger bei dem Gedanken daran. Warum glauben die Leute, sie bekommen einen Sonderpreis oder Rabatt, nur weil man sich kennt? Die gehen doch auch nicht in den Supermarkt und fragen ihre Cousine, die dort an der Kasse sitzt, ob sie das Waschmittel billiger bekommen?
Als ich mit meiner Selbständigkeit begonnen habe, war das ganz schlimm. Viele meinten, ich müsse ja nun sehr glücklich sein, daß ich in meiner Selbständigkeit etwas zu tun bekomme und da kann man ja mal gleich mit einer Rabattaktion starten. Am Besten mal mit 50 Prozent.
Hallo??? Ich habe gerade Tausende von Euro ausgegeben – mir eine neue Kamera mit diversen Objekten zugelegt, einen Laptop, den ich dann mit zum Kunden nehmen kann, ein Stativ, eine Heim-Blitzanlage etc. Fragt bitte nicht, wer noch Geld von mir wollte/will: Berufsgenossenschaft, Versicherungen, Handwerkskammer….
Ich spreche gar nicht von Werbung – Homepage, Flyer, Anzeigen in lokalen Blättern etc.
Die Homepage ist sehr wichtig, das ist sozusagen dein „Gesicht“ – da mußt du aber auch sehr viel Zeit investieren (die man ja gerne auch schon zum Arbeiten genutzt hätte – vorzugsweise hast du die schon vor deinem Start in die Selbständigkeit soweit vorbereitet).
Flyer – meine Güte – bis ich die ansprechend gestaltet habe. Dann habe ich diese drucken lassen – nee, mach mal gleich 5.000 Stück (3.500 liegen noch in meinem Keller). Bringt gar nix – nüscht – nada – niente…. Davon abgesehen, daß du dir einen Wolf läufst und mittlerweile an fast jedem Briefkasten siehst „Bitte keine Werbung“ lesen musst. Ich glaube, ich habe keinen einzigen Kunden durch diese Flyer gewonnen.
Anzeigen – tja – auch so ein Ding – inseriert hab ich – dumme Anfragen hab ich bekommen. Auftrag keinen.
Meine Aufträge hab ich einzig und allein durch Empfehlungen und Mundpropaganda bekommen. Angefangen bei einem Kommunionsshooting bei unseren Nachbarn und Freunden, die hatten mich weiterempfohlen – so ging das los. Irgendwann kam ein Fotografenkollege auf mich zu und am Anfang hab ich mich auch auf solche „Depperljobs“ eingelassen: 2 Stunden Anwesenheits“Pflicht“ bei der Generalprobe – am Sonntag dann vor dem Gottesdienst, im Gottesdienst und nach dem Gottesdienst fotografieren (ca 3,5 Stunden) und dann die Fotos beim Fotografen abliefern. Der druckt sie dann und bekommt pro Foto ab 4 Euro aufwärts. Ich habe für meine 5,5 Stunden ganze 150 Euro bekommen – Stundenlohn knapp 30 Euro – ohne Anfahrtszeit und -Kosten.
Es wurde dann besser (dachte ich) – ich habe die Fotos gemacht (siehe oben – ca 5,5 Stunden Zeitinvestition) und dann bin ich mit meiner Beute nach Hause – habe die Fotos gesichtet, aussortiert, teilweise bearbeitet (Aufwand bei mehreren Hundert Fotos ca 2,5 Stunden) und dann für jedes Kind, welches ich fotografiert habe, eine CD gebrannt. Der Spass dauerte pro CD so ca 25 Minuten – 25 Kinder mal 25 Minuten = 625 Minuten – geteilt durch 60 = 10 Komma irgendwas Stunden. Pro CD bekam ich dann 15 Euro – diese CD wurde dann auch noch verpackt (Kosten) und auf die Post gebracht und versandt (Porto und noch mal eine Stunde Zeitaufwand). Letztendlich hatte ich da dann einen Stundenlohn von ca 30 EURO – aber der Zeitaufwand. Nie wieder…..Letzendlich war es aber eine Erfahrung, die ich nicht missen wollte und sollte.
Learning by doing.
Irgendwann kam dann mal eine Eventagentur auf mich zu – das war dann mein richtiger Start – mittlerweile habe ich eine kleine aber feine Anzahl von „Stammkunden“ (Firmen, Versicherunggen) und auf diese Fotosessions freue ich mich immer ganz besonders.

Was ich gerne mal mache – aber aus freien Stücken und weil ICH es entscheide – ist, ein Fotoshooting verschenken. Ich habe Freunden mal zur Geburt ein Fotoshooting von ihrer Tochter geschenkt – das ist MEINE EIGENE Sache. Auch zwei oder drei Babybauch-Shootings habe ich mal an Freundinnen verschenkt.
Aber wenn mich heute jemand fragt: Ich habe einen festen Stundensatz. Kann jeder erfragen – und da gibt es auch nix dran zu Handeln und zu Feilschen – wir sind nicht auf einem Basar.

Veröffentlicht von Kerstins Reisefotos und mehr...

Reisefreudig, Fotografie-süchtig, fast immer gut gelaunt, Optimistin... Fotografie ist mein Leben - meine Leidenschaft - mein Yoga

5 Kommentare zu „Du machst doch bei mir bestimmt einen Sonderpreis?

  1. Kenne ich. Mein Neffe ist auch Fotograf und macht auch Webefilme.
    Allerdings ist das Handeln laut Gesetz erlaubt. Man wäre blöd, wenn man nicht fragt. Macht man beim Autokauf ja auch. Allerdings muss man auch ein NEIN akzeptieren.

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    1. Hmmm – wenn sich meine Freundin gerade selbständig gemacht hat . völlig neues Business aufbaut und dann komme ich daher und frag nach nem Rabatt? Nee – die muss ja erst mal n büschen was verdienen – meine Ansicht …

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