habe ich immer gesagt. Was kann ich denn nicht?
Dazu muss ich weit ausholen.
Ich war um die 16 Jahre, als ich mir eingebildet habe, nach der Realschule eine Ausbildung zur Krankenschwester zu absolvieren. Um einen kleinen Einblick in das Leben einer Krankenschwester zu bekommen, bewarb ich mich am örtlichen Krankenhaus um einen Praktikumsplatz in den Osterferien.
Den bekam ich auch und am ersten Tag wurde ich eingewiesen – zunächst bekam ich ein Schwesternkittel und dann wurde der Tagesablauf erklärt. Ich hörte freudig begeistert zu und dachte, daß ich dann gleich mal mit zur Visite dürfe…
Dieser Illusion wurde ich schnell beraubt – für mich hieß es die ersten 3 Tage Dienstzimmer putzen. Und ihr glaubt gar nicht, was man dabei alles falsch machen kann.

Der Köcher für die Stifte zum Notieren von Daten und Informationen steht RECHTS vom Schreibblock – Kerstin – rechts!
Ebenso die Schnur des Telefons – die liegt immer rechts vom Telefon – IMMER.
UM GOTTES WILLEN – das war der Putzlappen für Schreibtisch und Kommoden – den grünen nehmen wir, um die Schränke auszuwischen.
Die desinfizierten Urinflaschen doch NICHT RECHTS in den Schrank – jetzt können wir das alles noch einmal desinfizieren. Und zur Belohnung gab es einen Klaps auf den Arm (heute undenkbar und als körperliche Gewalt deklariert).
Ja, Schwester Dorothea war schon speziell und viele der Schwestern grinsten mich die ersten Tage mitleidig an und nickten verständnisvoll, wenn ich etwas planlos umherstand.
Nach drei Tagen durfte ich den Besuchern sagen, in welchem Zimmer ihre Angehörigen lagen, ich durfte Blumenvasen besorgen und bringen und ich durfte mit in die Küche, um die Mahlzeiten auf einem Wagen zu holen.
Am ersten Freitag war ich ziemlich geschafft und hatte mal einen Überblick – zumindest darüber, wie anstrengend es ist, gute 8 Stunden auf den Füßen parat zu stehen.
In der zweiten Woche wurde es dann spannend – ich durfte das Essen mit ausgeben und eine Patientin (eine sehr alte und kranke Dame) durfte ich sogar „füttern“. Sie mochte das Mittagessen nicht aber den Nachtisch liebte sie. Auch beim Trinken mit der Schnabeltasse war ich behilflich und wir verstanden uns wirklich gut.
Als ich eines morgens wieder beim Verteilen des Frühstückes half, war sie nicht mehr in ihrem Zimmer. Auf meine Frage, ob sie in ein anderes Zimmer gekommen sei, erhielt ich nur ein Nein. Und da wußte ich, was passiert war. Hat mich sehr mitgenommen.
In der zweiten Woche durfte ich dann auch mit zur Visite gehen und auch mal zuschauen, wie eine Spritze gesetzt oder eine Infusion angelegt wird. Zugucken konnte ich – hat mir nix ausgemacht.
Aber an einem der Tage fragte mich eine Patientin, ob ich ihr die Ohrringe anstecken könne, die ist zu zittrig und sie schafft es nicht. Und da hab ich festgestellt – ich kann das nicht. Ich hatte so Angst, ihr weh zu tun oder etwas falsch zu machen. Und von da an war klar, das mit der Krankenschwester ist nix für mich. Ich kann bis heute nicht jemandem anderen einen Ohrring anstecken, ich tu mir ja bei mir selbst schon schwer, wenn der Stecker nicht gleich vorn und hinten durchs Ohrloch geht, werde ich schon leicht nervös….
Wenn das jemand anders macht, ist das gar kein Problem für mich – da halte ich still und das macht mir nix aus – nur mir selbst „antun“ kann ich nichts…. dachte ich (Fortsetzung folgt).






















































































































































